Thema : Eine Videokamera muss her!
 

Es gibt ja Leute, die brauchen immer die letzten Neuerungen. Kaum waren die ersten gescheiten Videokameras auf den Markt, beschlossen wir - ich eigentlich weniger - uns auch solch ein tolles Gerät anzuschaffen. Natürlich muss ich zugeben, dass solche Urlaubserinnerungen aussagekräftiger als Bilder sind, wobei die den unschätzbaren Vorteil haben, dass man sie überall mit hinnehmen und zeigen kann. Das kann man mit den Filmen zwar auch, ich meine sie zeigen, aber das sind dann schon immer lange Filmabende mit Bewirtung. Mein damaliger LAG (Lebensabschnittgefährte) hatte auch ein Händchen dafür, solche Filme professionell zu drehen. Obwohl drehen natürlich der falsche Ausdruck ist, denn die Filme wurden regelrecht geplant und nicht etwa spontan aufgenommen, oh nein.
Vor einem Urlaub wurde bereits das Zielgebiet vom Prospekt und Karte aufgenommen und mit melodischer Musik untermalt.
Den gesamten Urlaub über, wurden wir mit gezückter Kamera verfolgt und nicht nur das, wir hatten stets bühnenreife Auftritte, weil wir auch noch Kommentare abgeben mussten. Ich kann gar nicht sagen, wie unangenehm mir die Blicke fremder Menschen waren, wenn ich meine Sprüchlein vor der Kamera kundtat. Schließlich musste ja auch jeder hören, wo wir uns momentan befanden und und und. Oft fühlten sich die Leute von mir angesprochen, da ich so laut und deutlich sprechen musste um die Windgeräusche zu übertönen, weil wir solch ein sensibles Mikrofon hatten. Die Kinder drückten ihr Desinteresse einfach aus, indem sie der Kamera den Rücken zudrehten oder sich einfach verdrückten, denn sie hatten bald schon keinen Gefallen mehr an diesem Spielchen. Im Gedächtnis haften geblieben ist mir jedoch, die Episode unseres ersten Films.
Es war zu Weihnachten.... Die Kamera wurde zum ersten Mal ausprobiert und nachdem nun die festlich geschmückte Wohnung, der Weihnachtsbaum und die Geschenke aufgenommen worden waren, wurde ich beim Kochen interviewt: "Na was hast du uns denn Leckeres gekocht für heute?" Artig zählte ich die Menüfolge auf, danach wurde das Essen noch auf dem gedeckten Tisch gefilmt, bis die verführerischen Düfte auch den Kameramann schwach werden ließen und wir in Ruhe gemütlich essen konnten. Die nächste Filmeinlage erwartete uns dann noch beim Geschenke auspacken, natürlich mit den entsprechenden Erklärungen: "Wie gefällt dir dein Geschenk denn usw......" Endlich sollte der Abspann kommen, dafür hatte mein LAG sich etwas ganz Besonderes ausgedacht. Die Kamera wurde auf ein Stativ gesetzt und wir saßen wie die Ölgötzen auf der Couch. Nun stellte er die Kamera an und setzte sich dann auch auf die Couch. Dann sollte unser Auftritt kommen, denn jeder sollte zwei Worte sagen und zwar: "Dies waren" "einige Eindrücke" "vom Weihnachtsfest" "1989" Das Jahr weiß ich nicht mehr genau, aber der Rest hat sich förmlich in mein Hirn eingebrannt. Susanne begann: "Dies waren" *prust* und alles platzte vor lauter Lachen aus. Wie ansteckend kann doch Lachen sein. Mein LAG nahm es noch gelassen und stand auf, stellte die Kamera aus, ließ zurücklaufen und das Spielchen ging von vorne los. Sein Startkommando: "Alles klar?" bejahten wir stumm, Kamera an und im Sauseschritt nahm er auf der Couch Platz. Das sah schon so komisch aus, dass man sich mit Gewalt zwingen musste ja nicht zu lachen. Susanne fing also wieder an: "Das waren ...einige" Oh Gott, nun hatte sie ein Wort zuviel gesagt und das Spielchen begann wieder von vorne. Manchmal mussten wir uns nur ansehen und das Gekicher ging schon los. Krampfhaft zwangen wir uns ernst zu bleiben. Nachdem Lutz auch noch seinen Text erweiterte und zu seinen "einige Eindrücke" von meinem "vom Weihnachtsfest" mir noch das "vom" klaute, war der Ofen völlig aus. Wir brüllten vor lauter Lachen und Susanne bekam Schluckauf und konnte sich jetzt gar nicht mehr beruhigen. Ich will nun nicht erklären wie lange es letztendlich gedauert hat. Fakt ist, dass wir danach noch etliche Male in Gelächter ausbrachen und immer wenn meine Vordermänner es richtig gemacht hatten, ich mich vor Lachen so brezeln musste, dass ich nur noch mit halberstickter Stimme sprechen konnte, um ja ernst zu bleiben. Vor allen Dingen waren die Turnübungen meines LAG zu nett anzuschauen, sobald die Kamera angeschaltet war, ging er gesetzten aber doch eiligen Schrittes zur Couch, (weil das schon aufgenommen wurde) alles wartete bis er saß, denn dann kam unser Einsatz. Hatte sich mal wieder einer verhaspelt , sprang er wie von der Tarantel gestochen auf, um die Kamera möglichst schnell wieder abzustellen, und die richtige Stelle für die Aufnahme wieder zu finden. Von vorne angefangen: Aufgestanden zur Kamera und wieder ab auf die Couch, das Ganze bestimmt acht Mal, bis ihm endlich der Kragen platzte und er uns anbrüllte, ob wir denn zu blöd wären, zwei kleine Wörtchen fehlerfrei herauszubringen??? 
Schuldbewusst senkten wir die Köpfe. O.k. wir wollten uns jetzt aber mal alle Mühe geben, und so sagte jeder mit eisiger Miene (wer will schon blöde sein?) seine Passage auf und das in solch abgehacktem Ton und völlig ohne Betonung, dass es fast schon wieder komisch war. Wir schafften es zwar, aber so unnatürlich, dass das Lachen nun ein jähes Ende gefunden hatte. Das war dann auch das Ende unseres Filmes und das Ende der bis dahin noch guten Stimmung. Jeder, der sich diesen Film ansieht und diesen daher geleierten, emotionslosen Satz hört, weiß, dass danach der Haussegen schief hing. 
Aber wollten wir so etwas, nicht schon immer mal mit der Kamera festhalten????? 

An was erinnert mich diese Geschichte nur? Ich hab's: 
"Ein Klavier, ein Klavier von Loriot"