Nun höre ich aber auf zu Rauchen, oder:
So tauscht man Nikotinsucht gegen Fettleibigkeit ein!!!
 

Jetzt rauchte ich schon seit 28 Jahren und nicht gerade wenig, denn 2 Päckchen am Tag mussten es sein. Natürlich rauchte ich "light", weil etwas Rücksicht musste ich nun schon auf meine Lungen nehmen. Außerdem war ich der Weltmeister im „Aufhören“. Ich schaffte es einmal sogar ganze
a c h t Monate lang. Umso trauriger war es, als ich durch Stress wieder anfing. Obwohl man sich da ja etwas vormacht. Man glaubte doch tatsächlich, dass Ganze wieder in den Griff zu bekommen, zumal die ersten Zigaretten gar nicht schmeckten. Da raucht man halt solange bis sie wieder schmecken.
Trotz dieser ganzen vergeblichen Anläufe, stand mein Entschluss fest:

"Ich musste aufhören!!!!!!!"

  1. Hierfür gab es mehrere Gründe: 
    Inzwischen hatte ich einen kräftigen Husten, der sich morgens schon ankündigte, und mich nachmittags schon im Treppenhaus verriet, wenn ich vom Dienst kam. Ich war der einzige Mensch, der ständig hustete und nie erkältet war. Zwar tröstete ich mich damit, dass ich ja noch keinen "Auswurf" und daher bestimmt noch Hoffnung hätte.
     

  2. Meine erste Sorge war, wenn ich hörte, dass wieder mal ein junger Mensch gestorben war, "hat der geraucht?" Zunehmend machte sich aber immer weniger Erleichterung breit, weil der- oder diejenige nicht geraucht hatte, denn sie hatten geraucht und es starben inzwischen selbst jüngere Kolleginnen an Lungenkrebs.
    Eine ständige Mahnung!

  3. Die verkürzte Lebenserwartung schreckte leider nicht wirklich ab, denn man legte sich schon die Gründe parat, warum man auch gar nicht so alt werden wollte.......... 

  4. Meine Stimme wurde immer dunkler, so dass ich mich schon daran gewöhnt hatte am Telefon grundsätzlich als Herr Weber angesprochen zu werden. Ich war schon dazu übergegangen diese Anrede nicht zu korrigieren, da dass anschließende entschuldigende Gestammel meines Gegenübers mir noch peinlicher war.

  5. Die öffentliche Ächtung nahm zu (vor Jahren noch undenkbar, denn da waren wir Raucher in der Mehrheit.) Man schämte sich, wenn man schon frühmorgens nach Rauch roch, derweil man mit anderen im Aufzug die gleiche Luft teilte. Egal, wo man eingeladen war, es gab keine Aschenbecher mehr. Die frühere Selbstverständlichkeit danach zu fragen, wich dem Trieb, auf den Balkon oder in den Garten auszuweichen. Immer mehr Leute hatten es „geschafft“ von dem Teufelszeug loszukommen, nur ich gehörte leider nicht zu den Auserwählten. Nichtrauchen lag im Trend, denn die Reihen der Raucher lichteten sich mehr und mehr. Eigentlich sah ich nur noch Raucherinnen und Jugendliche, aber die hatten ja eine Entschuldigung, denn sie wissen nicht was sie tuen.

    Dann waren da noch diese unangenehmen Zeitgenossen, die selbst an der frischen Luft die Nase rümpften, nur weil sich ein Nikotinwölkchen zu ihnen verirrt hatte. Ich hatte mir angewöhnt die Zigarette halb in der Hand zu verstecken, damit ich nicht gleich von Nichtrauchern ausgemacht werden konnte. Selbst in Restaurants wurde man von Blicken erdolcht, sobald man sich die gute Verdauungszigarette anzündete. Ich gebe es zu, nicht immer hatte ich den Mut, dann meiner Lust zu frönen und tat äußerlich so, als ob ich zu "ihnen" gehörte.

    Diese Rolle des "Schein-Nichtrauchers" nahm ich auch bei Flügen ein, denn meinem Partner konnte schließlich nicht zugemutet werden, 3 – 4 Stunden bei den qualmenden Rauchern in verpesteter Luft zu sitzen. Also litt ich still vor mich hin. Die Qual hörte noch nicht mal im Flughafengelände auf, denn da durfte man auch nicht. So wurde ich zum Straßenraucher, eine der wenigen Männerdomänen, sich öffentlich mit Zigarette auf der Straße zu präsentieren, fiel in diesem Augenblick. Was blieb uns Armen denn sonst übrig? Ja glaubt denn einer im Ernst, es würde Spaß machen auf der Straße zu rauchen? Dieses Versteckspiel war unwürdig.

  6. Ein weiterer Grund, zwar nicht mit der gleichen Gewichtung, war, dass zwei Schachteln am Tag 10,-DM kosteten. Hochgerechnet auf den Monat bedeutete das ca. 300,-DM, eher sogar mehr, weil da ja auch die Wochenenden waren, mit noch mehr Zeit und Mußestunden. Ich durfte gar nicht darüber nachdenken, wofür man das Geld alles ausgeben konnte, anstatt es in Rauch umzusetzen.

  7. Als letztes trieb mich meine schlechte Kondition beim Tennisspielen an, das Nichtrauchen endlich in Angriff zu nehmen, schließlich war ich nach ein paar Schlägen völlig außer Atem und rasselte wie eine Dampflok. Der mitleidige Zuruf von der anderen Seite: "Kannst du nicht mehr?" konnte mich auch nicht gerade in Hochstimmung versetzen.

Wie man sieht, hatte ich mit all diesen Gründen genügend Motivation. Zur gleichen Zeit berichteten einige Kolleginnen, dass es da ein Wunderbuch gäbe, nach dessen Studium nun schon etliche Raucher aufgehört hätten.

Das war es, dieses Buch brauchte ich auch!!!

Schließlich hatte ich schon alles ausprobiert, ob es die Nicorette das Nikotinkaugummi (schmeckte wie eingeschlafene Füße) oder auch das Nikotinpflaster war (mir war sooooooo schlecht, weil ich trotzdem nur ein paar Zigaretten geraucht hatte.) Selbst mit fernöstlicher Medizin -sprich Akupressur- hatte ich nichts unversucht gelassen und mir mit Kai Tak magnetische Ohrclipse zugelegt, die eigentlich schon wegen ihres Preises eine heilende Wirkung hätten haben müssen.
Natürlich hatte ich auch mit dem profanen Mittel der Disziplin –man glaubt es kaum- mehrere Anläufe hinter mich gebracht.
Ich vermute, dass ist auch der Grund, weshalb so viele nicht vom Rauchen loskommen. Es ist nämlich schrecklich, immer wieder von sich enttäuscht zu werden, nur weil man nicht durchgehalten hat. Das Schlimme ist, dass man meint –nach etlichen vergebenen Anläufen-, sich unter Druck setzen zu müssen, und seine Umwelt über die positive Absicht des Aufhörens informieren zu müssen. Was macht man denn dann, wenn man mal wieder rückfällig geworden ist? Richtig, man raucht heimlich, bis, ja bis einem irgendwann Einer auf die Schliche kommt. Diesen Gesichtsverlust kann man aber auch nicht beliebig oft verkraften. Also beschließen wir Raucher erst gar nicht mehr aufzuhören und behaupten fortan, aus Leidenschaft zu rauchen, oder dass der Mensch ein Laster braucht. Wir Frauen verwechseln es oft mit der einzigen Freiheit, die uns noch bleibt.
Was hatte ich also zu verlieren, außer meinem Gesicht –was mir eigentlich schon desöfteren abhanden gekommen war- ich wollte es ein letztes Mal versuchen.
Gesagt, getan, ich kaufte mir besagtes Buch am Folgetag, und zwar:

Endlich Nichtraucher von Allen Carr.

Mit Feuereifer stürzte ich mich auf die Lektüre dieses Buches, aber nur die ersten beiden Tage. Ich schien Angst zu haben, dass die Mission dieses Buches Wirklichkeit würde und brauchte um dieses Buch zu lesen, sage und schreibe:

ein halbes Jahr.

Die Argumente, die in diesem Buch genannt wurden, trafen bei mir nicht auf taube Ohren und hatten durchschlagenden Erfolg.

Ich hörte tatsächlich auf!!!

Wie gewohnt waren die ersten drei Tage die schlimmsten, es verging kaum eine Viertelstunde bei der ich mal nicht an "Zigaretten" dachte. Sehnsüchtig guckte ich dem Rauch der qualmenden Ungeheuer nach. Das Wasser lief mir im Mund zusammen, wenn ich andere genüsslich an ihrer Zigarette ziehen sah. Ich träumte sogar von "Riesenzigaretten" und rauchte im Traum. Morgens wurde ich wach und wusste nicht sicher, ob ich nun rückfällig geworden war, denn so realistisch waren meine Träume. Aber ich hatte, Gott sei Dank, gar keine Zigaretten im Haus.

Dieses Suchtverhalten besserte sich aber von Tag zu Tag. Nach einer weiteren Woche dachte ich nur noch gelegentlich an den "Blauen Dunst."
Mit der Zeit –man glaubt es kaum- entwickelte ich sogar Mitleid mit den armen Rauchern, die ihrer Sucht erlagen.

Ich gehörte nun nicht mehr dazu.

Mein Husten war blitzartig verschwunden, meine Stimme wurde wieder heller, wodurch ich dann auch wieder höhere Töne meiner Lieblingsschlager mitsingen konnte.
Anfangs sparte ich auch noch das Zigarettengeld in einem Sparschwein, aber das vergaß ich dann zunehmend. Konditionell verbesserte sich erst mal gar nichts, worüber ich sehr erstaunt war. Erstaunlich fand ich auch, dass die mich umgebenden Bekannten, die sich früher oft über meinen exzessiven Nikotinkonsum mokiert hatten, nun noch nicht einmal feststellten, dass ich aufgehört hatte. Daher verkündete ich stolz bei jeder Gelegenheit, ob ihnen überhaupt aufgefallen sei, dass ich nicht mehr rauchen würde. Wie schwoll mir der Kamm vor Freude, als ich eine mir angebotene Zigarette mit den Worten: "Nein danke, ich bin Nichtraucher" ablehnen konnte. Ich Glückliche hatte es endlich geschafft! Damit dies auch so blieb, mahnte mich ein Zettel, den ich von innen an die Haustür geheftet hatte:

 "Hurra, ich bin Nichtraucher! Es gibt keine eine Zigarette oder keinen einzigen Zug. Ich habe endlich aufgehört mich systematisch zu ersticken."

Eine weitere Änderung, die ich wahrnahm, war, dass mir das Essen nun wesentlich besser schmeckte und ich es regelrecht genießen konnte, während ich früher nur auf die Zigarette danach bedacht war.

Dieser Umstand jedoch sollte sich nun negativ auswirken. Zwar futterte ich nach Möglichkeit kein "Süß", dafür aber immer ausgiebigere Mahlzeiten, als ob ich die Kalorienzufuhr eines Bauarbeiters benötigte.

Das Ergebnis sah ich dann zunehmend auf meiner Waage. Zuerst noch zweifelnd, ob die denn richtig justiert sei, musste ich der Tatsache ins Auge blicken, vielmehr - den steigenden Kilos auf diesem Gerät.
Ich nahm zu und dies nicht zu knapp. Zuerst beruhigte ich mich, dass das ganz normal sei und es würde auch wieder bergab gehen.
Stirnrunzelnd nahm ich die Rettungsringe an meinem Bauch wahr. Zwar hatte ich Stretchhosen, aber auch die wurden mit dem steigenden Volumen nicht mehr fertig.

Fakt war: Keine Hose passte mir mehr.

Also, beschloss ich mir mal zwei Ausweichhosen als Übergangslösung zu kaufen, denn schließlich sollte das nun kein Dauerzustand werden. Ich fühlte mich behäbig und unansehnlich. Dazu kam, dass ich immer kurzatmiger wurde, und schließlich weniger Kondition als vorher hatte. Unglaublich!
Da soll mir noch einer erzählen, er wäre gerne dick und würde sich so akzeptieren. Dass ich nicht lache.
Nun rauchte ich fast ein Jahr nicht mehr, und hatte 8 Kilo zugenommen, aber das waren satte sechzehn Pfund, oder 8 Pakete Zucker, die sich wie ein Ring um meinen Bauch drapiert hatten.
Wie sich später herausstellte nicht nur dort!

Ich kämpfte nun mit den Einschränkungen, die durch meine Behäbigkeit hervorgerufen wurden. Nun mal im Ernst, dass fing schon auf der Toilette an. Ich war plötzlich so ungelenk und hatte das Gefühl einen zu kurzen Arm zu haben. Jeder, der dieses Gefühl kennt, weiß wovon ich spreche. Dann meine Kurzatmigkeit. Ich schnaufte wie ein Rhinozeros, wenn ich mich nur bückte. Ich keuchte wie eine Lokomotive, wenn ich Treppen stieg. An Sport war gar nicht zu denken, denn ich geriet innerhalb kürzester Zeit völlig außer Puste. Außerdem musste ich mir nun –wenn ich mich tatsächlich mal zum Tennisspielen aufraffen konnte- die Oberschenkelinnenseiten pudern. Denn dadurch, dass ich an Gewicht zugelegt hatte, klatschten sie nun bei jedem Schritt aneinander. Was müssen „Dicke“ leiden, denn wunde Oberschenkel sind nun wirklich nicht lustig. Durch diesen Frust musste ich natürlich wieder essen, weil mir das wirkliche Freude bereitete. Ich stellte fest, dass ich, je mehr ich an abnehmen dachte umso mehr mit Essen beschäftigt war.

Aber das Allerschlimmste war, der Anblick im Spiegel, mit dem ich fertig werden musste. Schrecklich war auch die Erfahrung, dass man diese Pfunde kleidungsmäßig nicht kaschieren konnte, an dieser Tatsache änderte auch fünfmaliges Umziehen nichts. Die Umhänge wurden länger und weiter und ließen einen auf den ersten Blick nicht gar so dick erscheinen, aber das änderte sich schon mit dem zweiten. Das war mir neu, dass ich anziehen konnte, was ich wollte, und immer gleich schrecklich aussah.

Ich haderte zwar mit meinem Schicksal, aber ich kam trotzdem nicht umhin mich nun mit Kleidung, die ein bis zwei Nummern größer war, einzudecken. Dieser Lernschritt war aber sehr mühselig, denn hartnäckig hielt ich beim Kauf zuerst mal an meiner alten Größe fest, um dann festzustellen: "ich krieg` es nicht über den Kopf bzw. über die Oberschenkel angezogen." Wie peinlich waren mir diese großen Größen. Leider half da auch nicht, dass die Marke bestimmt klein ausfiele. Es gab nämlich keine Marken mehr, die normal ausfielen.

Schlimmer noch, ich musste mir selbst neue Unterwäsche zulegen, denn bis auf die Socken und Schuhe passte mir nichts mehr.

Ich musste den Tatsachen ins Auge blicken:

Ich war unansehnlich fett geworden.

Nun hatte ich das Rauchen aufgegeben, mit dem Ergebnis, dass ich es nun mit Fettleibigkeit zu tun hatte. Was nun gesünder ist, müsste man den Facharzt entscheiden lassen.
Mir war nur eins klar, selbst wenn ich jetzt wieder das Rauchen anfangen würde, könnte das an meinen Pfunden nichts ändern. Diese Erfahrung hatte ich schon etliche Male vorher gemacht, dass man dann nur das Gewicht hält.
Doch der Himmel war mit mir. Es kam gerade zur rechten Zeit das Buch von Allen Carr heraus:


Endlich Wunschgewicht.

Ich war zuversichtlich, denn wenn das mit dem Rauchen geklappt hatte, würde es auch mit dem Essen klappen. Zwar brauchte ich diesmal nur 3 Wochen um das Buch zu lesen, aber die Umstellung in meinem Kopf benötigt länger.

  • Wohlwollend nahm ich zur Kenntnis, dass ich soviel von meinem Lieblingsessen zu mir nehmen könne, wie ich wolle. Na, Gott sei Dank.
  • Auf keinen Fall Diät, wegen des Jojoeffektes. Bravo!
  • Sport könnte nicht schaden.
    Nur nichts überstürzen. Fangen wir mal langsam an:

  1. Zum Frühstück Obst, dies fällt mir gar nicht so schwer.
  2. Nur essen, wenn ich Hunger habe. Ja das ist ein Problem. Ich habe nämlich ständig Gelüste, schon wenn ich im Fernsehen die Reklame sehe.
  3. Aufhören, wenn man satt ist. Mein Magen muss ausgeleiert sein, denn es passt immer noch ein Schäufelchen `rein.
  4. Viel Obst und Gemüse, nicht unbedingt meine Lieblingsgerichte.
  5. Keine Milchprodukte, kein Fleisch, das ist für mich größtenteils machbar.

Was soll ich sagen, ich habe erst mal nicht weiter zugenommen, sondern bleibe mit meinem Gewicht stehen. Jedoch werde ich meine Anstrengungen verdoppeln müssen, denn der Sommer kommt mit riesigen Schritten und ich habe keine Lust im Schwimmbad mit einer Decke zu sitzen.
Ob ich es in der nächsten Zeit schaffe, tatsächlich die Früchte zu ernten, ohne mich dabei keuchend bücken zu müssen, wird die Zukunft zeigen.

Packen wir es an!

Nachtrag:
Inzwischen habe ich bis auf 1-2 Kilo mein altes Gewicht wieder, aber über einen ganz anderen Weg und bin trotzdem seit 2 Jahren clean. Hurra!!!!
Vielleicht macht euch das Mut?!!!!