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Jetzt ging das Drama aber erst richtig los: 

Putzi
 


Wie sollten wir einen Tierarzt finden, der ins Hotel kam? Schließlich konnte ich die Kleine wohl kaum Kilometerweit im Bus nach Heraklion transportieren. Wie kamen wir an ein Behältnis um die Katze mitzunehmen? Würde die Fluggesellschaft uns überhaupt gestatten die Katze mitzunehmen? Hier sieht man auch, dass ich an meine arme Nicki keinen Gedanken verschwendete und nicht eine Sekunde daran zweifelte, dass sie damit nicht einverstanden sein könnte.

Die letzte Woche meines Urlaubs ging nun nur für die Vorbereitungen der Mitnahme meines blinden Passagiers drauf. Durch die Hotelrezeption bekamen wir die Nummer eines praktizierenden Tierarztes, der sich tatsächlich für den nächsten Tag ansagte. Was nun? Wie sollten wir die Kleine in unserem Zimmer gefangen halten, denn anders ging es ja nicht.

Nach der abendlichen Fütterung musste ich nun die "Operation Katze" durchziehen.

Unsere "Kritti" drehte fast durch, weil plötzlich die Türe zufiel. Sofort hatte sie ihren neuen Stammplatz in der hintersten Ecke unter dem Bett. Nun hatte ich natürlich auch ein Katzenklo zu beschaffen. Ich besorgte mir einen festen Karton, beim Schreibwaren- und Ansichtskartenkiosk und füllte ihn des nachts mit dem Quarzsand vom Tennisplatz. Der Katze gefiel der Sand und sie war so clever, dass sie auch sofort wusste, was sich dort abzuspielen hatte.

Vorbei war es nun mit offener Türe zu schlafen, und es war warm, aber was tat man nicht alles für solch einen armen Wurm. Die Fluggesellschaft gab ihr OK für die Mitnahme der Katze nur nicht in der Businessklasse. Zum ersten Mal hatten wir einen Flug in der 1. Klasse gebucht, ein Gedicht. Große breite Sitze, mit entschieden mehr Beinfreiheit und man durfte rauchen, was ich zu der Zeit noch ausgiebig machte.

Der Tierarzt kam, wir fischten mit vereinten Kräften unser störrisches Kätzchen unter dem Bett hervor, und trugen keine bleibenden Narben davon. Heftpflaster gehörte Gott sei Dank zu unserem Reisegepäck. Der Doc stellte für 200,-DM ein "Veterinary Vaccination and Health Certificate", sowie einen Impfpass aus. Die Kleine bekam Bandwurmtabletten um denselben loszuwerden und ich die Empfehlung in Cersonissos oder so ähnlich, Reisetabletten für den Flug zu kaufen, damit unsere Wilde nicht die Passagiere im Flugzeug aufmischt. Ich erledigte meinen Part prompt am nächsten Tag, die Katze ihren in ihrem Karton, den ich nun mehrmals am Tag entsorgen musste. Ich schätze, das Hotel hat nach unserer Abreise erst mal den Sand auf dem Tennisplatz auffüllen müssen.

Nun blieb noch die Frage des Transportbehälters. Wir hatten Glück, denn der Tennistrainer besaß ein kleines offenes Körbchen für Obst, was wir ihm am letzten Tag abkaufen durften. Jürgen opferte ein T-Shirt und drapierte es um den Korb. Jedoch klaffte um den Henkel ein zu großes Loch, was wir mit der Hilfe einer Verkäuferin, die uns Sicherheitsnadeln besorgte (safety pins) war ich stolz, dass mir der Ausdruck einfiel. Damit konnten wir oben die Öffnung zuklammern. Das Körbchen wurde wasserfest und weich ausgepolstert und so konnte die Odyssee unserer Kritti beginnen, die am Morgen unserer Abreise scheinbar Bescheid wusste und sich sicherheitshalber schon mal in unsere Reisetasche setzte, damit wir sie ja nicht vergessen. Das sah so putzig aus, dass sie von da an den Namen "Putzi" trug.

Ich tauschte mit einer hübschen jungen Studentin den Platz in der Economic-Class, die sich freute, dass sie rauchen durfte. Ich glaube die Vorfreude hatte ihr das Hirn schon irgendwie benebelt, weil sie sich einen Platz ausgerechnet in der Mitte in einem Viererblock geben ließ. Damit nicht genug, sie hatte sich auch noch vegetarisches Essen bestellt (das ist mir bleibend in Erinnerung geblieben). Nun saß ich eingepfercht zwischen zwei nicht so schlanken Frauen und hatte meine kleine Putzi auf dem Schoß. Rauchen war nicht, na toll, dann wenigstens Unterhaltung. Meine linke Nachbarin: "Was haben Sie denn da in dem Körbchen?" Ich machte keine großen Worte, sondern zeigte ihr meine kleine schlafende Katze, worauf sie aufgeregt die Stewardess herbeiklingelte. Das Unfassbare war geschehen, wahrscheinlich die einzige Frau im Flugzeug, die eine Katzenallergie hatte, musste ausgerechnet neben mir sitzen. Nun musste erst mal ein Tauschpartner gesucht werden, der dann auch prompt in Form eines stark nach Knoblauch duftenden Mannes kam (d.h. nicht, dass Frauen nicht auch danach riechen könnten, aber es war nun mal ein Mann). Mir blieb wirklich nichts erspart.

Was war ich froh, als der Flug zu Ende war. Ich bin problemlos durch alle Kontrollen und keiner wollte mein wertvolles Certificate je sehen. Zum krönenden Abschluss riss ich mir natürlich von meinem Trolly, da ich ihn am Griff vom Gepäckband zog, das komplette Gestell ab. Das war auch kein Wunder, denn Jürgen hatte es im Kreuz, ich die Katze mit Körbchen am Arm und die Verantwortung für unser Gepäck am Hals. Wie kann das auch gut gehen. So schleppte ich die Koffer und die Katze und Jürgen die Tennisschläger. Aufgabenteilung nennt man so etwas.

Das Ende vom Lied. Die Katze hatte sich 10 Stunden nicht gerührt und auch nichts gemacht, so dass die weitere Heimfahrt problemlos war. Bis dann -wie zuvor schon beschrieben- das Drama mit Nicki losging.

Könnte es sein, dass ich an dieser Stelle etwas weit ausgeholt habe, um meine Katze "Putzi" zu beschreiben? Nein, ich denke, das müsst ihr wissen, damit ihr die Verbundenheit mit solch einem Tier nachvollziehen könnt.

Also wie oben erwähnt ist Putzi eine wilde Katze, das macht sich auch mit einem starken Jagdtrieb  bemerkbar. Da sich nun in meiner Wohnung nicht viel zu jagen findet, hockt sie den ganzen Abend auf dem Balkon und hält Ausschau nach Motten. Wehe, wenn sie eine gefangen hat, dann kommt sie laut trompetend ins Wohnzimmer mit der wertvollen Beute im Maul. Lässt sich erst mal gebührend loben und macht dann die Schnüss auf, damit das Tier losfliegen kann. Wenn sie es dann aber nicht mehr fängt, ist das Heulen und Wehklagen groß. Ich habe manchmal das Gefühl, dass sie denkt, wenn sie nur laut genug schreit, kommt das Tierchen zurück.

Wasser saufen ist auch so ein Problem, stehendes Wasser verschmäht sie komplett, nein es muss das aus der Badewanne sein und nur aus dem laufenden Hahn. Genauso wählerisch ist die Dame mit Futter, Nassfutter, igitt, sie mag nur Trockenfutter und ab und zu mal ein paar Krabben.

Sie ist noch total verspielt und flitzt oft im Affenzahn ihren Kratzbaum hoch. Am liebsten sitzt sie in Plastiktüten und arbeitet gerne an Kartons, die sie gewissenhaft locht. Es müssen auch nicht Kartons sein, sie nimmt auch wichtige Papiere oder die Post wenn´s sein muss.

Dafür hat sie das schönste, dichteste und weichste Fell auf der Welt. So etwas haben die Katzen in unseren Breiten nicht. Ab und zu ist sie auch schmusig, dann wirft sie sich mit Inbrunst auf meinen Bauch und will nicht mehr gestört werden. Wehe man bewegt sich, dann  zieht sie beleidigt von dannen. Auf dem Arm hält sie es inzwischen auch schon mal ein paar Minuten  aus, daran war anfangs gar nicht zu denken.

Aber Rücksichtsnahme ist für sie ein Fremdwort, da sie die arme Nicki manchmal dermaßen jagt, dass diese völlig erschöpft auf ihren Sessel sinkt. Sobald sie dann aber ein gewisses Örtchen aufsuchen muss, kann sie sicher sein, dass die Kleine oben drauf sitzt und nur darauf wartet, dass sie sich im Eingang zeigt. Deshalb zieht Nicki es dann vor, erst mal da zu bleiben wo sie ist und zu warten ob die Kleine evtl. die Lust verliert. Aber die hat Ausdauer.

Heute weiß ich, dass ich die Kleine statt Putzi besser "Luder" genannt hätte, denn das hätte sie am ehesten charakterisiert. Obwohl sie ist ein gutmütiges Luder.

Demnächst folgt hier noch eine Bildergalerie, aber dafür muss ich meinem Scanner erst noch Beine machen...........

Habe ich endlich. Nun bin sogar stolzer Besitzer einer DigiCam und kann euch meine Stubentiger präsentieren.