Thema : Orientierung auf deutschen Autobahnen


Ich weiß nun wirklich, dass ich nicht die größte Leuchte bin, wenn es um Orientierung geht. Ich schaffe es schon, den Parkplatz nicht wieder zufinden, auf dem ich mein Auto abgestellt habe. Genauso wenig begreife ich, dass jemand die Karte im Kopf hat, so dass er immer weiß, wo sich die Himmelsrichtungen gerade befinden. Bemerkenswert! Dazu kann ich nur sagen, morgens und nachmittags gelingt mir das auch, wenn die Sonne scheint, ansonsten bin ich aufgeschmissen. Erstaunlicherweise befinde ich mich in guter Gesellschaft, da scheinbar viele Frauen dieses Problem mit mir teilen.

Nun kann man sich denken, dass gerade ich mich besonders sorgfältig vorbereite, wenn ich denn mal beabsichtige eine größere Tour zu unternehmen. So geschehen, wie unter "Temposünder" beschrieben.

Da die Hinfahrt nun schon mit dem Fiasko der Radarkontrolle begonnen hatte und ich unglückseligerweise, vergessen hatte mir auch die Rückfahrt auszudrucken, machte ich mich an die Arbeit auf der Karte die Rückreise auszuarbeiten.

Schwierig war, dass ich spätabends fuhr und keine Zeit hatte allzu lange auf diesen Zettel zu sehen, denn schließlich musste ich hierfür die Innenraumbeleuchtung einschalten und mich trotzdem auf die Fahrbahn konzentrieren. Unglücklicherweise musste ich siebenmal die Autobahn wechseln, wodurch Fehler natürlich vorprogrammiert waren.
Es klappte alles bis zum ersten Kreuz und ich erwischte auch die Autobahn in die richtige Richtung. So hatte ich schon locker 200 Kilometer hinter mich gebracht, aber das Fiasko sollte noch folgen.

Ich musste das Ruhrgebiet queren und damit begann das Elend: 
Die Orte, die ich mir notiert hatte kamen auf der Abfahrtstafel nicht vor, rein intuitiv musste ich mich entscheiden Bremen? Frankfurt? Auf meinem Zettel stand Hagen - Wuppertal. Beide Richtungen waren nicht richtig, da mir aber Bremen vertrauter vorkam, entschied ich mich prompt falsch. Dies konnte ich an der nächsten Abfahrt noch korrigieren und fand - oh Wunder- auch gleich wieder die richtige Auffahrt. 

Mein Glück sollte nicht von langer Dauer sein, denn mir blieb wirklich nichts erspart. Im Radio wurde ein Stau genau in meiner Richtung durchgesagt, also ab an der nächsten Raststätte. Zuerst einmal musste meine Reizblase beruhigt werden, denn ich hatte extra nicht viel getrunken, und doch verspürte ich seit einigen Kilometern einen unwiderstehlichen Drang.

Schnell warf ich auf der Toilette einen Blick auf die Karte und fasste eine Ausweichmöglichkeit ins Auge. Wohlgemut ging es weiter. Der Stau wurde nicht mehr angesagt und ich konnte wie geplant weiter fahren. Was heißt hier geplant? Am Westhofener Kreuz wurde mir weder Castrop Rauxel noch Recklinghausen angeboten, ich glaube ich entschied mich für Oberhausen. Ich habe keine Ahnung wie oft ich an Dortmund vorbei gefahren bin, und will hier auch Keinen langweilen, indem ich alle Autobahnen aufzähle, die ich auf meiner Fahrt durch das Ruhrgebiet besucht habe. 
Dummerweise hatte ich die Ausfahrt an der Polizei stand, verpasst und bäumte mich ein letztes Mal gegen mein Schicksal auf, indem ich einen Rastplatz aufsuchte, um mir noch einmal auf der Karte einen Überblick zu verschaffen. Aber das war hoffnungslos, entweder hatte ich den oberen Teil als Karte nicht mitgenommen, oder ich habe die Karte nicht oft genug gedreht. Da die Fernfahrer in ihren Lkw´s langsam wach wurden, nahm ich mein Herz in beide Hände und klopfte vorsichtig an die Türe. Die beiden Männer waren angenehm überrascht -es war schließlich dunkel- und hätten die Unterhaltung gerne fortgeführt, worauf ich aber verzichtete, nachdem ich feststellte, dass sie beide Polen waren und kein Wort verstanden hatten. 

Da! Ein Mann leerte seine Bio-Toilette aus, nichts wie hin. Zwar hatte er nicht die meiste Ahnung, aber er meinte, dass ich auf der Autobahn auch irgendwann ans Ziel käme, ich müsste nur an der richtigen Stelle abfahren. Na klar, das war doch eine leichte Übung, denn lesen konnte ich schließlich.

Was er scheinbar auch nicht wusste, war, dass diese Autobahn einfach ihre Bezeichnung wechselte, ohne dass ich dafür etwas getan hatte. Ich beschloss hartnäckig weiterzufahren. Noch zweimal kamen schwerwiegende Entscheidungen auf mich zu, bei der ich mich einmal, buchstäblich in der letzten Sekunde umentschied und so einen noch größeren Umweg verhindern konnte. Schlimm ist, dass mir, je näher ich der Heimat komme, natürlich alle Städte sehr bekannt vorkommen und ich mich dann gerne falsch verleiten lasse, was mich dann aber fürchten lässt, nicht mit dem Sprit auszukommen. Letzteres verursacht natürlich wieder Druck auf meine Blase. 

Fakt ist, dass ich in dieser Nacht, einsam mit etlichen Lkw´s auf der Autobahn, das Ruhgebiet erst mal von Süden her erkundet habe, dann Richtung Norden über die A2 noch einmal die obere Sicht genommen habe um irgendwann tatsächlich in heimische Gefilde einzulaufen. 
Das Fazit: mit nur 60km Umweg und 40 Minuten Verspätung hatte ich meine katastrophalen geografischen Kenntnisse noch preiswert bezahlt. Meist war ich auf der richtigen Autobahn nur in der falschen Richtung unterwegs. Die Korrekturen schafften nur die Verwirrung. So kam ich um 1:40 Uhr endlich erschöpft zu Hause an.

Mein Appell: Liebe Politiker, oder Verkehrsplaner oder Straßenschilderbeschrifter, bitte denkt doch auch mal an die weniger bewanderten Orientierungskünstler und notiert doch erst mal die nächstgrößeren Städte, die folgen werden, auf euren Tafeln. 
Nehmt euch ein Beispiel an den Niederlanden, hier habe ich mich noch nie verfahren, denn es werden stets die nächsten 3-4 Städte angezeigt. Außerdem finde ich es ätzend, wenn auf einem Schild Städte, die in total entgegengesetzter Richtung liegen, angegeben werden. Da kann sich doch keiner mehr zurecht finden. 

Mein Vorschlag wäre, auch bei der Nummernvergabe der Autobahnen, die Richtung mit anzugeben. So also z.B. Autobahn A1 N für Norden und A1 S für Süden, das gleiche gilt natürlich auch für Autobahnen nach Westen oder Osten. Ich weiß zwar, dass die Zahlen etwas über die Richtung besagen -ich glaube gerade oder ungerade- aber mir hilft das eher nicht.

Das Drama fängt erst immer an, wenn ich zwar die richtige Autobahn, aber mich mal wieder für die falsche Richtung entschieden habe. So müsste ich nur noch auf der Karte die richtige Himmelsrichtung wissen und das könnte ich schaffen.

Der Vorteil für Sie meine Herren, läge darin, dass es weniger Verkehr auf den Autobahnen gäbe, weil Leute wie ich nicht erst alle Richtungen abgrasen müssten. Die verminderten Staus möchte ich an dieser Stelle nicht statistisch errechnen.