Jetzt kann mir nichts mehr passieren, oder
"Marion hat ein Naviagationssystem"

Nachdem ich so meine Erfahrungen auf Deutschlands Straßen + Autobahnen gemacht habe, wie bereits unter Orientierung und Temposünder beschrieben, (das Protokoll habe ich bis heute noch nicht, die Hoffnung wächst ... und es kam doch, aber nicht ganz so schlimm wie erwartet.) kam mir das Angebot meines Haus- und Hof-Autoreparateurs gerade recht, der mir ein Navigatiossystem anbot. Schweren Herzens entschloss ich mich, eine Stange Geld für ein modisches "Navigationsgerät" auszugeben. Schließlich würde ich die Kosten durch gesparte Protokolle und geschonte Nerven bestimmt dicke wieder reinholen.

Zuerst war da das Drama, dass ich von meinem Radio die Klemmen nicht fand, um es wieder herauszuholen. Mein Bruder hatte mir vor 5 Jahren gesagt: " Die musst du gut weg tun!" Ja, das hatte ich gemacht, so gut, dass ich sie nicht mehr wieder gefunden habe. Meine Sorge war groß, dass die ganze Aktion nun an den dummen Klammern scheitern könnte. Aber Leo wusste Rat und dem Einbau stand nicht mehr im Wege.
War das toll...... eine Fahrt, bei der man sich um nichts kümmern musste, selbst das Lenken ging wie von selbst. Plötzlich sah ich mein Auto mit ganz anderen Augen, so wertvoll kam es mir vor. Da ich nun hier in der Ecke nicht ständig über die Autobahn fahren wollte, stellte mir Leo das Gerät so ein, dass es von nun an Autobahnen ausschloss und die kurze Route fuhr.
Zwei Tage später kam meine große Fahrt nach Duisburg, mal wieder ins Ruhrgebiet, wo ich mich so gerne verfahre. Sorgenfrei und völlig entspannt, ohne vorher auf die Karte geguckt zu haben, geschweige einen Stadtplan zu wälzen fuhr ich mit gut bemessener Zeit los. 

Zuerst wunderte ich mich schon einmal, dass mich mein "Mann1" (so heißt die Stimme nämlich) unbedingt in so kleine Käffer schicken wollte, aber ich ließ mich nicht beirren, schließlich kannte ich den anfänglichen Weg noch. In der Hoffnung, dass der Junge merken würde, dass ich mich zur Autobahn bewegte, fuhr ich munter weiter. Aber irgendwie brachte ich ihn damit völlig aus dem Konzept. So hielt ich noch mal kurz und versuchte die Stelle mit den Einschränkungen im Navigationsmenü zu finden. Aber immer wenn ich bestätigen wollte, dass er nun auch Autobahn fahren dürfte, sprang er im Menü wieder weiter. Ich hatte nun keinen Nerv mehr, weiter in der Bedienungsanleitung zu suchen, da mir langsam die Zeit im Nacken saß.

Sicher würde sich das System beruhigen und mich trotzdem ans Ziel leiten, glaubte ich noch technikhörig. Auf der Autobahn wollte er dringend mit mir die erste Abfahrt nehmen, aber nicht mit mir, so schnell lasse ich mich doch nicht in die Irre führen. Zuerst einmal war er sprachlos und zeigte mir nur noch die Himmelsrichtung, was mich nun nicht wirklich weiter brachte. Dann kam aber meine Schrecksekunde die A57. Oh Gott, ich wusste wieder nicht in welche Richtung ich fahren musste, und da sich mein Kerlchen langsam erholte und tonlos sagte: "Bitte folgen sie den Richtungspfeilen" fuhr ich einfach geradeaus. Na toll, nun fuhr ich nach Düsseldorf an der Messe vorbei über die Rheinbrücke.

Wie? so kommt man auch nach Duisburg? Klar, aber mit gewaltigem Umweg.  

Im Geiste sah ich schon, wie sich die Herren der Schöpfung vor lauter Spott und Lachen wegschmissen: "Frau am Steuer mit Navigationssystem und zu blöd, es zu bedienen." Ein wenig hatten sie wirklich Recht.
Nun sprach mein Herr erst mal gar nicht mehr mit mir und ich machte mir gewaltig Sorgen, was würde werden, wenn er so sprachlos blieb? Um wenigstens eine Stimme zu hören, rief ich erst mal bei meinem Termin an, um mich für die kommende Verspätung zu entschuldigen, wie spät ich kommen würde? Na, wenn ich das mal wüßte. Dann gab der Akku meines Handys auch noch seinen Geist auf, na prima!

Jetzt war ich völlig abgeschnitten von der Welt!

Totenstille im Wagen, bange starrte ich auf das Display mit den Navigationspfeile: "New Route" Ja, aber bitte gleich! Langsam wurde es mir doch mulmig, was, wenn jetzt kein Funksignal mehr ankäme.........? Aber, dem Himmel sei Dank, mein männlicher Begleiter kam wieder zur Besinnung und meldete sich plötzlich mit neuem Mut, so als ob nichts gewesen wäre und lotste mich von da an treffsicher durch die Innenstädte Düsseldorfs und Duisburgs. Ich weiß nicht so genau, wo ich überall war, aber es sah schön aus. Schließlich brauchte ich mich nun nicht mehr um die Straßen zu kümmern, sondern konnte mir ein wenig die Gegend angucken. Tatsächlich sagte er nach 20 minütiger Verspätung: "Sie haben das Ziel erreicht!" Ungläubig kletterte ich aus meinem Wagen und ging erst einmal auf die Haustüre zu. Tatsächlich! Ich stand vor dem richtigen Haus mit der richtigen Familie. 

Für die Rückfahrt, stellte ich meinem Herrn die richtigen Weichen und siehe da, endlich fuhr der Junge mit mir über die Autobahn und so benötigte ich nur noch die Hälfte der Zeit. Na geht doch, warum nicht gleich so?
Womit sich aber doch meine leisen Zweifel, an der Behauptung: "Ab jetzt kannst du dich gar nicht mehr verfahren", die ich schon bei Übergabe des Gerätes hatte, mal wieder bestätigt hatten. 
Ich sag es doch: "Ein findiger Kopf, überlistet selbst solch ein Gerät." 
Von nun an kann es nur noch besser werden, oder?
Ja und es wurde besser!!! Zwar lotst mich mein System ab und an in Straßen, die es nicht gibt, oder in Feldwege, aus denen ich fast nicht mehr heraus komme, aber meist komme ich dort an, wo ich hin muss. Aber wehe, wenn sich das Funksignal verschluckt, dann bricht mir der Schweiß aus und ich kann nur noch hoffen, dass die Flaute schnell wieder vorbei ist. Trotzdem bereue ich diesen Kauf nicht.