Die Operation und danach .....

 

Morgens geht es schon früh los: Betten machen, dann OP-Hemdchen und Thrombosestrümpfe anziehen, ich sehe wie meine eigene Großmutter aus!  Dann ist Warten angesagt. Warum holt mich keiner? Was ist mit der Markierung? Endlich um 8:30 Uhr rollt mich eine Schwester aus dem Zimmer, erfüllt noch schnell den Wunsch einer anderen Patientin, derweil mich der Chefarzt auf dem Flur stehen sieht und sich wütend mein Bett schnappt. Der Schwester zischt er zu: “man wartet schon beim Röntgen auf Frau Weber“. Sie stammelt: “die haben aber eben erst angerufen. Da ahne ich schon, das kann ja heiter werden.

Beim Röntgen haben sie auch so einen „freundlichen“ Drachen,  kenn ich schließlich schon vom Vortag. Kein freundliches Wort, nur alles im Kommandoton. Aha, wir machen mal wieder eine Mammographie! Sie eilt um die Aufnahme zu entwickeln. Dann wird es spannend, denn sie spannt mich zur Abwechslung mal nicht so fest ein, da ich so eine Zeit lang stehen müsse. Diesmal hat die Scheibe, die von oben kommt, ein Lochraster. Langsam ahne ich, was es so mit dem Draht auf sich hat. Im Sauseschritt wurde wieder entwickelt, meine unanständige Frage, ob sie denn den Knoten (besagten dritten) entdeckt hätte, beantwortete sie wie folgt: „das müssen sie schon den Arzt fragen“, aber in einem Ton, der einen nicht gerade dazu ermunterte, selbiges zu tun. 

Also beschloss ich nicht zu fragen. Dann hörte ich klappernde Clocks. Der Radiologe nahte emsigen Schrittes. Er war ein kleines Männlein, das mir bis zur Schulter reichte. Ich bin sicher, dass er mir auch seinen Namen nannte, aber ich hatte ihn nicht verstanden. Nun sollte ich endlich erfahren, was es mit dem Draht auf sich hatte. Also eingeklemmt in die Mammographie, nahte jetzt mein Doktorchen mit einer Spritze, um mir diese durch eines der Löcher in die Brust zu setzen. Er erklärte: „das ist jetzt die Betäubung“. Mir war, als ob er auf der anderen Seite wieder herauskäme, aber es ist gut gegangen. Sofort danach legte er mir eine Hohlnadel, in der sich besagter Draht befand. Beim Einstich merkte ich nichts von irgendeiner Betäubung. Trotzdem war es halb so schlimm, wie es aussah. Wieder mal wurde eine Aufnahme gemacht, nun mit Nadel aber vertikal. Nach dieser Aktion stellte Doktorchen fest, dass er leider den Knoten durchstochen hatte. Ach wie nett, wenn das jetzt ein Karzinom war, dann haben wir es schon mal gut im Gewebe verteilt, aber er versucht seinen Fehler sofort wieder gut zu machen und zupft und dreht oben an dem Draht um ihn wieder ein kleines Stückchen hoch zu holen. Noch eine Aufnahme, aber es ist ihm nicht gelungen und er gibt auf, weil er sonst das Ganze noch mal machen muss und darauf habe ich aber nun gar keine Lust mehr.

Nun nur noch ein bisschen verbinden und dann holt mich die Schwester schon wieder, denn schließlich haben wir es eilig, der Chef wartet. Das Unglück bleibt aber unser ständiger Begleiter. Erst kommt keiner der beiden Aufzüge. Dann öffnen sie sich, aber in dem einen fährt ein leeres Bett spazieren und in dem anderen Patienten mit ihren Betten. Na dann warten wir halt noch ein wenig. Endlich haben wir auch diese Klippe umschifft und es geht in die dritte Etage. Leider will man uns im kleinen OP nicht haben. Na macht nichts, dann versuchen wir unser Glück halt im großen. Auch hier Fehlanzeige, da liegt schon jemand auf dem Stuhl. Die Empfehlung der Schwestern: „ fahren Sie die Patientin am besten wieder auf ihr Zimmer, wir rufen dann an“. Das hatte ja wirklich toll geklappt, von wegen früh dran.  

Die Narkose und der Aufwachraum blieben für mich ohne traumatische Erlebnisse, deshalb bleiben sie hier unerwähnt.

Nach der Operation:

So lag ich denn wieder um 12:30 Uhr auf meinem Zimmer, an jeder Seite eine Flasche für die Schläuche, die aus meinen Brüsten kamen, aber Gott sei Dank kein Katheder. Man freut sich schon über Kleinigkeiten. Ich klingle nach der Schwester. Meine Infusion ist durchgelaufen und außerdem habe ich da noch ein kleines Bedürfnis. Kein Problem, ich komme auf die Pfanne, die Schwester geht wieder, und prompte Erleichterung stellt sich ein. Sie holt das Teil wieder ab, und zieht und zieht, aber so einfach war das nicht, denn dieses Blechmonstrum hatte sich komplett festgesaugt. Sie schaffte es trotzdem, wäre nicht auszudenken wenn nicht. Würde mir wohl keine Hose mehr passen. *g*

Endlich habe ich Zeit mir mal meine Narben anzugucken. Oh Schreck, wieso sind denn nur 2 Schnitte da, wo ist der dritte? Der Oberarzt beruhigt mich, das war nicht notwendig da was wegzuschneiden. Na gut, wenn der meint, mir soll es recht sein. Die rechte Seite schmerzt doch sehr und ich kann den Arm nicht so richtig bewegen, aber wenn mal die Schläuche `raus sind, tröstet man mich, klappt das alles.

Nachdem ich topfit mit meinen beiden Flaschen von der Toilette komme, steht der Oberarzt da und eröffnet mir, dass der Befund o.k. ist. Ein Brocken fällt mir vom Herzen.

Auch in dieser Nacht habe ich nicht die Ehre, auch nur einen Zipfel von der Nachtschwester zu sehen.

  

Besuch bei meiner Kleinen mit dem Busen. Der Chef hatte wirklich was Tolles gezaubert, und der Wunschbusen ähnelt dem Bild aus dem Playboy total. 

Endlich Essenszeit im Krankenhaus ein Ereignis, auf das man sich immer freut, zumindest ich. Nun war ich aber schon sehr gespannt, denn man hatte mich zwischen den 3 Menüs nicht wählen lassen. Fest stand, dass ich zwei davon mochte und eins nicht, Fisch! Was bringt mir Schwester Marie-Luise? Natürlich Fisch! „Tut mir leid, den können sie sofort wieder mitnehmen, den mag ich nicht! Warum haben sie mich denn nicht gefragt?“ „Sie waren doch gestern in der Narkose“, „ ja, bis mittags und zufällig war ich Montag den ganzen Tag anwesend“, entgegnete ich. Sie zog mit dem Fisch vondannen und erschien mit Reibekuchen, die von mir sofort akzeptiert wurden. Nachdem ich mich gestärkt hatte, stattete ich dem Zimmer 316, auf dem Verena lag, einen Besuch ab. Ihre Bettnachbarin war eine  Mitsechzigerin, sprich Elfi. Sie war noch nie verheiratet, wichtiger: sie hatte noch keinen sexuellen Kontakt zum männlichen Geschlecht gehabt. Warum ich das erzähle? Elfi berichtete von ihrer Unterleibsuntersuchung: „Ja sowat hab ich ja noch nie gemacht, mit dem Stuhl und so.  Aber der Arzt hat es mir nett erklärt. Nu fing de mich an zu untersuchen, nee wenn dat bei einem Mann so weh täte, den hätt ich sofort in die Wüste gejagt und wär schon am 2. Tag geschieden gewesen“. Wir lachten alle herzhaft. 

Heute ist Karin (Gebärmutter) neu in die Mitte gekommen, denn wir sind in einem Dreibettzimmer. Die Mitte ist ein ungünstiger Platz, weil es hier kein Telefon gibt.

Arme Karin, ich entschädigte sie dafür mit einem Duschgang in meinem Bad. Wir schlichen wie Diebe an den Schwestern vorbei, Karin hatte sich das Handtuch um die Hüften gewickelt und beinahe fiel ihr noch das Duschzeug aus dem Bademantel. 

Dies war aber schon neben Elfi der einzige Höhepunkt des Tages.