Ein Besuch in Hamburg zum Musical MammaMia

Nun freuten wir uns schon seit Monaten auf unseren Besuch des Musicals "MammaMia" in Hamburg, und was war?

Der heißeste Sommer den Europa je erlebte, ausgerechnet jetzt.  Meine Befürchtungen klitschnass im Bus zu sitzen, mich ständig umziehen zu müssen, dann noch das Aufstehen um 2:45 Uhr wurden noch bei weitem übertroffen.

Also fangen wir mal mit dem Aufstehen an. Es war so warm, dass ich mich abends erst gar nicht ins Bett zu legen brauchte. So beschloss ich einfach aufzubleiben. Jedoch fielen mir gegen 1:00 Uhr dann doch die Äuglein zu und ich legte mich doch noch etwas auf das Ohr. Um 2:45 Uhr klingelte das Telefon, ich völlig schlaftrunken, irrte durch die Wohnung um es zu finden. Mein Sohn hatte freundlicherweise schon abgenommen, man hatte nächtens noch lange ein Pläuschchen abgehalten, wodurch ich das Teil dann auch nicht finden konnte. Er brummte mir wütend entgegen: "Moni, deine Internetfreundin, du sollst aufstehen." Ja stimmt, Moni wollte aufbleiben und mich wecken, lieben Dank an dieser Stelle.  

Die Katzen nahmen mein Aufstehen als Signal, sich um ihre Fressnäpfe zu scharen und mir um die Beine zu gurren.

Ein Blick in den Spiegel reichte mir schon völlig, mein Gott, wie sah ich nur aus. Rotgeränderte Augen sahen mir aus einem blassen Gesicht entgegen, war ich das wirklich? Egal,......... ....waschen, anziehen, Wimperntusche aufgetragen, Kaffee trinken, essen?  nein, so früh am Morgen brachte ich denn doch keinen Bissen runter. Habe ich auch nichts vergessen? Lutz noch schnell einen Zettel schreiben, damit er bei der Hitze die Türe wieder zumacht, die für das nächtliche Lüften sperrangelweit aufstand. Dann das Licht aus, halt habe ich die Kaffeemaschine auch abgestellt? Ja, habe ich, ach noch schnell den Wasserhahn der Waschmaschine absperren und los geht es.

Man kann sich ja nur wundern, wer um diese unchristliche Uhrzeit schon so alles unterwegs ist. Ich parke bei meiner Kollegin, die sich um ihren Hasen große Sorgen macht, der bei der Hitze in einer Dachgeschosswohnung das Ganze hoffentlich überlebt. Ich hoffe er hat. Coffee hat es geschafft.

Die anderen stehen schon am Überlandbahnhof mehr oder minder frisch.

Der Bus kommt pünktlich, sagen wir mal das "Büs-chen", es ist ein 8-Sitzer, ohne Klimaanlage, der uns schon mal heftig zum Schwitzen bringt und das frühmorgens um 4:00Uhr. Das ist unser sogenannter Zubringerbus, der uns nun erst mal nach Duisburg karrt. Ich bin erstaunt, wie wach meine Kolleginnen sind, die schon munter erzählen und Babymöhrchen futtern. Die Stimmung ist gut trotz WDR4 und ich bin bleimüde. Ich glaube so ruhig haben sie mich noch nicht oft erlebt.

Nach ca. einstündiger Fahrt treffen wir in Duisburg ein, wo es dann nach einer halben Stunde Wartezeit endlich losgehen soll. Wir haben Glück, und erwischen einen nietennagelneuen Reisebus mit allem Komfort und natürlich auch mit Klimaanlage. Na Gott sei Dank, schwitzen bräuchten wir nun wenigstens nicht mehr. Endlich geht es los, wir erfahren, dass wir jetzt noch erst Bochum, Recklinghausen, Dortmund und irgendeine Raststätte im Münsterland anfahren, um weitere Reisegäste einzuladen. Na prima, und wann werden wir da sein? Meine Frage wurde beantwortet und zwar sollten wir ca. gegen 12:30 Uhr in Hamburg eintreffen, vorausgesetzt es gebe keine größeren Staus. Wunderbar, das macht ja nur 8 Stunden Fahrt bis Hamburg, solange bin ich auch noch nie dorthin gefahren, denn mit dem Auto erreicht man Hamburg in ca. 4 Stunden. Die Klimaanlage des Busses funktionierte so perfekt, dass ich mir doch tatsächlich einen Pullover leihen musste, weil ich wie ein Schneider fror. Das sollte mir aber in der Folgezeit nicht mehr passieren. Nun wurden wir erst mal mit ein wenig Kaffee aufgemuntert und ich beschließe ein kleines Nickerchen zu machen, um den restlichen Schlaf nachzuholen. Nickerchen? Pustekuchen, an den einzelnen Stationen, schmettern mir die Leute, denn ich sitze in der zweiten Reihe, die erste war leider schon besetzt, ihr fröhliches "Guten Morgen" entgegen und ich muss wieder mal meine Füße aus dem Gang sortieren. Also Schlafen ist nicht. Na gut, dann werde ich eben völlig übermüdet Hamburg unsicher machen, die Reeperbahn war innerlich für mich schon mal gestrichen.

Endlich hatten wir alle Reisegäste eingefangen und befanden uns nun tatsächlich auf dem Weg zu unserem Ziel. Schon kam auch der erste Stau, ich versuchte mich zu entspannen, schließlich musste ich ja nicht fahren. Endlich kamen wir völlig ausgehungert gegen 10:00 Uhr zu einer Raststätte, an der wir erst mal frühstückten und unsere Lebensgeister wieder weckten. 

Nun ging es wieder auf die Autobahn dem nächsten Stau entgegen. In der Zwischenzeit erfuhr ich, dass wir in Hamburg angekommen, erst mal eine Hafenrundfahrt machen würde, da die Zimmer erst gegen 16:00 Uhr bezugsfertig seien. Toll, und meine Freundin, die die Zugfahrt vorgezogen hatte, würde im Hotel warten. Also schnell angerufen und ihr Bescheid gegeben, dass sie sich an der Landungsbrücke5, an einem grünen Jeverschirm einzufinden hätte. Sie hatte, bestens ausgerüstet auch einen Stadtplan mitgenommen, Männer denken halt an so etwas, so können wir Frauen ab und an davon profitieren, dass die so praktisch veranlagt sind.

Insgesamt hatten wir drei Staus zu bewältigen und einen lahmarschigen Wohnwagenfahrer, der uns schier zur Verzweiflung brachte, da er mit 60km/h vor uns hertuckelte und wir Kilometerlang nicht überholen durfte.

Wir kamen an und die Uhr zeigte 13:20 Uhr. Aber wo war Brigitte? Den Schirm fanden wir, aber Brigitte nicht. Alles strömte zu unserem Ausflugsbötchen und ich rief hektisch Brigitte an. Sie erzählte mir seelenruhig sie säße am Landungssteg 5, wo wir sie hinbestellt hätten, aber wir fuhren von Landungssteg 6 ab. Alle Fahrgäste waren eingestiegen und wunderten sich, dass es nicht losging. Die Reiseleiterin hatte, weiß der Geier wie, Brigitte gefunden und nahte eiligen Schrittes. Die Hafenrundfahrt war weniger erbaulich, weil wir der prallen Sonne ausgesetzt waren und kaum ein Lüftchen ging, dass uns hätte abkühlen können, denn der Kahn hatte einen Riesenvorbau, der uns jeglichen Windzug nahm.

Wir besichtigten die Speicherstadt und diverse Schiffe und Containerplätze sowie Trockendocks. Ich war viel zu erschöpft, um über die Witze des Kapitäns noch lachen zu können. Wir hoffen, dass wir es heute schaffen, heil durch die Schleuse zu kommen, gestern sind wir leider umgekippt usw.

Nach dieser Tortur durften wir einen Stadtbummel machen, ich wollte nur noch unter die Dusche und eine Stunde auf mein Bett, nach dieser 9stündigen Fahrt. Wir schlugen uns in ein Eiskaffe und tranken auch denselbigen, um wach zu bleiben und um uns abzukühlen. 

 

Auch eine Möglichkeit sein Getränk einzunehmen.

Eine nette Art sich fortzubewegen bei diesen Menschenmengen

Gruppenbild mit Wasserträger. Daher rührt auch der Spruch: "Hummel, Hummel- Moss, Moss" Ein Herr Menz wurde aufgezogen, weil man ihm einen Frack geschenkt hatte, den er fortan zum Wasser tragen anzog. Man hänselte ihn mit Hummel, hummel und er antwortete eben Moss, moss, was soviel wie LMA heißt. Das war auch neu für mich.

Brigitte nimmt mich auch mal auf

Zum Shoppen hatte keiner mehr Lust und so waren wir froh um 15:30 Uhr endlich Richtung Hotel fahren zu können. Der Plan sah vor, dass wir um 17:15 Uhr vom Hotel abgeholt und im Maredo Steakhaus abgefüttert werden sollten. Wie schön, wir hatten eineinviertel Stunden Zeit um zu duschen und uns lang zu machen.

Das Essen war bei der Massenabfertigung erstaunlich gut, aber wir schwitzten unsere frischen Klamotten schon mal durch. Die Klimaanlage wurde von diesen Menschenmengen geschafft und beschloss keinen kühlen Strahl mehr von sich zu geben.

Als Verdauungsspaziergang schlenderten wir nun ein wenig über die Reeperbahn und nahmen Hamburg mit seiner sündigen Meile in uns auf.

Na, ob die aber was nutzen, wage ich zu bezweifeln

Wie freuten wir uns, in das voll klimatisierte Operettenhaus dreiviertel Stunde vor Beginn treten zu dürfen, um uns mit einem kalten Drink zu erfrischen und die Leute zu beobachten. Ich will mich hierzu jetzt nicht groß auslassen, sonst komme ich nie mehr beim Musical an. Nur soviel, es gibt Leute, die haben eine Vorstellung von "halbwegs feinmachen" wie eine Kuh vom Sonntag. Männer in kurzer Hose mit Sandalen und Socken, na fein. Frauen in geringelten T-Shirts, die ihre Fülle fast nicht bändigen konnten und sich bemühten jede Speckrolle einzeln abzubilden. Eine leicht füllige Dame hatte sich ein ganz elegantes Schmetterlingstuch um die Hüften geschwungen und hatte diesen gestrassten Schmetterling dann mittig auf ihrem Hintern sitzen, was die Ausmaße noch ein wenig vergrößerte. Oh wie hätte ich diese Damen sowohl farbtechnisch als auch passformmäßig beraten können, aber ich war zu meinem Vergnügen da.

Der Aufgang zum Parkett voll mit Spiegel ausgekleidet

Endlich ertönte der Gong und riss mich aus meinen fruchtbaren Betrachtungen. Wir saßen ganz vorne, der Herr eine Reihe vor uns, hatte sich einen kleinen Ventilator mitgebracht und machte mich schon neidisch. Doch die Klimaanlage funktionierte und die Schweißströme versiegten.

Das Musical begann und war ein Hochgenuss. Nicht nur wegen der Musik von Abba, die deutsch gesungen wurde, eher durch die Komik, die das Stück begleitete und uns herzhaft lachen ließ. Die Hauptakteure waren Menschen in unserem Alter zwischen 40 und 50, nicht unbedingt perfekt. Es gab Dicke und Dünne, Kleine und Große, eben äußerlich überhaupt nicht perfekte Menschen. Die Hauptdarstellerin hatte einen Pep, der einen vom Sitz riss. Die Vorstellung entschädigte uns für alle Mühen bis dahin.

Anschließend waren wir zu müde um noch über die Reeperbahn bei Nacht zu stolpern und warteten sehnsüchtig auf unseren Bus. 

Er kam auch fast pünktlich, nur hatte unser Krampfader- geschwader (despektierlicher Ausdruck von Heike für eine Gruppe von drei älteren Damen) mal wieder nichts mitbekommen und sie standen nicht am vereinbarten Treffpunkt. Also war mal wieder Warten angesagt. Zufällig hatte jedoch jemand mitbekommen, dass sie wieder zum Ausstiegspunkt gegangen waren und wir konnten sie dort einsammeln.

An diesem Abend haben wir uns nur noch einen sündhaft teuren Cocktail gegönnt und dann ab in die Falle. Aber nicht, ohne uns zuvor noch über die unfreundliche Kellnerin zu ärgern, die sich noch nicht einmal fürs Trinkgeld bedankte. Meine Freundin Brigitte und ich mussten noch bis 1:30Uhr über die Arie mit dem Landungssteg lachen und über ihr SMS: "Ich bin da und sitze am Wasser," woraufhin ich schrieb: "Wir sind auf der Autobahn und stehen im Stau."

Für den Morgen war der Fischmarkt angesagt, den man angeblich gesehen haben muss. Also ließen wir uns um 6:00 Uhr wecken damit wir noch Zeit hatten, in unserem HolidayInn gemütlich über das Frühstücksbüfett herzufallen. 

In dem Raum, den wir uns ausgesucht hatten, gab es leider kein sauberes Geschirr mehr und so suchten wir uns die diversen Utensilien zusammen. Später erfuhren wir, dass wir gar nicht im Hauptspeisesaal mit dem großen Büfett gelandet waren, egal es schmeckte trotzdem köstlich.

So tigerten wir in aller Herrgottsfrühe über den Fischmarkt. Eigentlich muss man ihn aber nicht gesehen haben, denn solche Märkte kenne ich auch von zu Hause, zumal der Fischmarkt selbst in unser kleines Kaff kommt. Wir hätten Obst in Hülle und Fülle kaufen können, oder auch riesige Grünpflanzen, mal ganz abgesehen von Fisch, aber den kann man bei solchen Temperaturen ja nicht wirklich mitnehmen. 

Besonders schön war dann auch die Fischhalle, ich glaube man nannte sie, die "Alte Börse", da wird nämlich nach Herzenslust abgehottet. Diesen Ausdruck habe ich auch noch nie gehört, was aber wohl abrocken bedeutet. Dort spielten zwei Bands und heizten den Besuchern ordentlich ein. Das Bier floss in Strömen, aber nicht nur das, sondern auch der Schweiß.

Die Boerse

Draußen lagen dann ein paar Bierleichen am Kai und versuchten ihren Rausch in der Sonne auszuschlafen. Auch die Sanitäter waren mehrfach im Einsatz. Nach unserem Fischmarktbesuch ging es zur Besichtigung des alten Elbtunnels. Es war schon beeindruckend, wie dieser Tunnel vor fast 100 Jahren entstanden ist. 

Nach den ganzen Getränken in der Börse und unserem Marsch durch den Tunnel, gab es mal wieder das leidige Problem: "Wir mussten mal." Das öffentliche WC war in einer Litfasssäule untergebracht. Man warf Geld ein, dann konnte man die Türe öffnen und schon konnte es los gehen. Wir hatten aber leider ein sehr hygienisches 00 erwischt, denn nach jedem Besuch, musste man erst mal 2 Minuten warten bis innen alles ausgespült war, selbst der Boden. Soviel Zeit hatten wir nicht und gingen zu zweit in die Litfasssäule, in der man sich kaum drehen konnte. Einer drückte sich an die Wand und der andere beeilte sich.  Unser Beispiel machte Schule, und die nächsten machten es genauso.

Die Rückfahrt war dann eine Stunde kürzer, wobei wir zu unserem Leidwesen in einen anderen Bus umsteigen musste, der weniger Standorte anfuhr. Für uns war die Rückbank reserviert, was sich nicht als Privileg erwies, denn dieser Bus dröhnte so laut, dass man fast sein eigenes Wort nicht verstand. Mir brummt heute noch der Kopf davon. Da auch der Busfahrer früh nach Hause wollte, gab er heftig Gas, so kamen wir doch tatsächlich bereits um 20:15 Uhr wieder zu Hause an.

Ich kann gar keinem sagen, wie kaputt ich selbst heute noch bin. Na vielleicht sollte man in meinem Alter solche Gewalttouren nicht mehr unternehmen. Auf jeden Fall werde ich dafür sorgen, nicht schon vorher durch solch lange Anreisen völlig geschafft zu sein.

Aber schön war es doch...........