Der Kampf mit dem Blumentopf


Der Stolz meines Wohnzimmers, eine riesige Yuccapalme mit 3 Stämmen und je 2-3 Palmen, machte mir langsam aber sicher, Sorgen. Sie sah immer schlapper aus und ließ ihre Blätter immer mehr hängen, außerdem verfärbten sie sich immer gelber. Da ich ein schlaues Pflanzenbuch besitze, weil meine gärtnerischen Fähigkeiten sich auf Blumengießen und Umtopfen beschränken, war mir sehr schnell klar: „Diese Palme hat nicht mehr genug Erde und somit keine Nährstoffe.“
Kein Problem, dachte ich, und maß den Topf aus, ließ mir von meiner schlauen Nachbarin sagen, dass der neue mindestens an jeder Seite 3 cm mehr Umfang haben müsse, und am allerbesten sei ein Tontopf.
Na gut, so wollte ich denn einen neuen Blumentopf mit Übertopf kaufen. Im Gartencenter angekommen, steuerte ich zielstrebig die Blumentöpfe an, stellte dann als erstes fest, dass ich das Maßband zu Hause vergessen hatte. Zu allem Überfluss von der Eitelkeit regiert, hatte ich natürlich auch meine Brille im Auto gelassen. Nun stand ich da. Mutterseelenalleine im Außenbereich des Centers und versuchte die Töpfe ob ihrer Größe abzuschätzen. Zwar wiesen die Töpfe auch weiße Schildchen auf, aber ich konnte leider nicht sehen, ob außer dem Preis noch etwas darauf stand. Fragen wollte ich denn auch nicht, wie sieht das denn aus, dann hätte ich auch die Brille anziehen können. Also gab ich mein Bestes und lief mit dem vermeintlich richtigen Topf zu einer Verkäuferin und fragte sie nach einem Maßband. Gott sei Dank waren die Zahlen darauf groß genug, so dass ich sie lesen konnte, und siehe da, ich hatte auf den Zentimeter genau den richtigen Topf in den Händen. 
Nun wollte ich nur noch einen passenden Übertopf 30cm Durchmesser dazu kaufen. Ich machte wohlwissend einen großen Bogen um die edleren Übertöpfe und begab mich zu den schlichteren Exemplaren. Als ich endlich einen aus dem Regal gehievt hatte, traute ich meinen Augen nicht. Was sollte der kosten?????? Die wollten doch tatsächlich 69,-DM dafür haben und das für absolut nichts Besonderes, das einzige Plus er hätte für meinen Tontopf gepasst. Das ließ ich mir von der Verkäuferin aber doch noch bestätigen, welch ein Jammer in diesem Punkt hatten sich meine Augen nicht geirrt.
Zwar bin ich bestimmt ein großzügiger Mensch, jedoch wurde ich jetzt geizig. Ich guckte mir zuerst mal die kleineren Töpfe an, der Unterschied war schlappe 10,-DM. Kurzentschlossen entschied ich mich um, und nahm nur einen passenden Unterteller zu dem Tontopf. Und, da bei mir selten etwas glatt geht, bezahlte ich natürlich an der Kasse prompt 0,50 DM zuviel, d.h. die Kassiererin bongte den Preis falsch ein. Nachdem ich meine Augen fast überanstrengt hatte um sicher zu gehen, dass ich im Recht war und nicht zu Unrecht reklamierte, bat ich sie als der nächste Kunde abgefertigt war, doch bitte mal zu gucken. Richtig, der Scanner las den Preis falsch, aber halb so wild, ich solle nur zur Information gehen, die würden mir das Geld erstatten. Nun muss man wissen, dass ich mir am Eingang keinen Wagen genommen hatte, da die in Heimwerkermärkten so groß sind, dass damit ganze Schränke transportiert werden können. Dies bereute ich nun zunehmend. Ich schleppte also meinen schweren Tontopf samt Teller zur Information. Wer nun denkt, die Dame hätte sich meinen Kassenbon angesehen und das Etikett auf dem Topf –bis hierhin klappte es noch- und mir dann die 50 Pfennig erstattet, der irrt gewaltig. Zuerst wimmelte sie mit meinem Bon in der Hand die anderen lästigen Kunden ab, schnappte sich dann sehr bestimmt das Mikrofon und rief die Gartenabteilung aus. Es dauerte wirklich nicht lange, da erschien auch ein Mann, der den ausgefüllten Beleg widerspruchslos unterschrieb. Nun nur noch warten bis die Dame mit dem Herrn und den Glühbirnen fertig war und dann konnte ich tatsächlich mein Restgeld in Empfang nehmen. Großzügig verzichtete ich auf eine Kopie des Kassenbons, die sie noch eben im Büro für mich erstellen wollte. Nun aber nichts wie nach Hause
Dort angekommen, beschloss ich meinen Tontopf zu bemalen, denn so sah er mir dann doch zu hässlich aus. Wozu hatte ich schließlich teure Acrylfarben, so konnte ich sie halt praktisch verwenden. Ich legte lediglich eine Zeitung auf meine Tischdecke und fing an im Wohnzimmer, meinen Blumentopf mit einem Klatschmohn zu verzieren. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mir relativ wenig Gedanken über das Motiv machte, weil Klatschmohn so ungefähr das Einzige war, was ich an Blumen malen konnte.
Nachdem mein Meisterwerk endlich fertig war, inzwischen war es null Uhr, wollte ich natürlich auch meine arme Palme umtopfen. Ich schleppte also meinen Tontopf und auch die Palme auf den Balkon, schließlich kann man so etwas nicht gut auf dem Teppichboden im Wohnzimmer erledigen.
Nun wurschtelte ich im Halbdunkel auf dem Balkon herum. Meine prächtige Palme war bestimmt anderthalb Meter hoch und entsprechend schwer. Und was war???
Die Palme hielt sich mit Leibeskräften an ihrem alten Topf fest und weigerte sich ihr zu Hause zu verlassen. Ich mühte mich wie eine Verrückte und hatte dann die glorreiche Idee, dass sich die Palme bei einem Wannenbad bestimmt entspannen würde und ich sie so, mir nichts dir nichts aus dem Topf heben würde.
Aber Pustekuchen!!!!!!!!!
Sie hatte gar nicht die Absicht. Wenn ich mit ihr gesprochen hätte, schließlich soll man mit Blumen sprechen, wären dabei keine freundlichen Worte ´rüber gekommen, da bin ich sicher!
So langsam kriegte ich die Wut, es konnte doch wohl nicht sein, dass ich vor dieser Palme kapitulierte!!!
Aber Marion gar nicht dumm, hantierte nun mit der Geflügelschere rum. Mein Rücken brach fast in dieser gebückten Haltung über der Badewanne zusammen, aber ich ergab mich nicht! Selbst als ich erst mal meine diversen Wunden an den Fingern mit Pflaster versorgen musste, weil sich das splitternde Plastik hinein gebohrt hatte, gab ich nicht nach. Die Wurzeln klammerten sich ängstlich an den Ballen und ich versuchte sie nicht zu verletzen, aber meine Palme war stark, sehr stark. Ich musste tatsächlich den ganzen Topf von oben nach unten durchschneiden, und dann konnte ich es gar nicht glauben.
Von jetzt auf gleich hatte sich die Pflanze in ihr Schicksal und somit in meine Hände ergeben und ließ endlich los. Mit einem Glücksgefühl sauste ich wieder auf den dunklen Balkon und versorgte sie schnell mit Erde. Putzi, meine Katze, beobachtete das muntere Treiben und versuchte mir zu helfen indem sie die Erde mit ihren Pfötchen auf der anderen Seite wieder herausholte, aber diese kleine Hürde hatte ich rasch geschafft. Nun schnell den Topf am Rand noch etwas abgewischt und schon wollte ich mein Werk stolz ins Wohnzimmer tragen. Hau ruck, aber mit Tontopf und doppelt soviel Erde kriegte ich die Palme nun nicht mehr hoch.
Na prima!!!!!!!!!
So kurz vor dem Ziel und dann erfriert meine arme Palme auf dem Balkon. Aber nicht mit mir.
Ich nahm alle Kräfte zusammen und schleifte im Galopp schwer keuchend in Schildkrötenhaltung den Topf ins Wohnzimmer, verhedderte mich dabei im Mückenvorhang und schaffte es echt mit letzter Kraft bis zur Fensterbank.
Jubel!!!!!!!!!!!
Da stand sie nun und guckte mich auch stolz und glücklich an. Schnell die Badewanne wieder gesäubert und den Balkon von Blumenerde befreit, den Dreck unter den Nägeln entfernt, der Katze die Pfoten gesäubert, den Teppichboden mit dem Handstaubsauger gereinigt, warf ich mich völlig erschöpft auf die Couch um mir mein gelungenes Werk anzugucken. Prachtvoll stand sie nun da, zwar hatte ich nicht die Präsentationsansicht nach vorne gepflanzt, aber das war mir nun schon völlig gleichgültig, schließlich hatte ich noch keine Röntgenaugen um das auf dem dunklen Balkon zu beachten. Ich beguckte mir noch stolz mein Werk, als mein Blick auf die Uhr fiel und wieder traute ich meinen Augen kaum, da ist es doch tatsächlich schon 1 Stunde nach Mitternacht.
Auch egal, das wäre geschafft, meinen Rücken konnte ich zwar wegschmeißen, der durfte sich nun die ganze Nacht im Bett erholen. Dafür erwartete mich dann am frühen Morgen:

"Meine Palme im Klatschmohntopf"