"Jeder blamiert sich so gut er kann!"

Ich sag's ja immer: "für gut kann man mich nicht mitnehmen." (Rheinische Umgangssprache)

Die Tochter meines langjährigen iSP (intensiven Sozialpartners) hegte die Absicht sich zu ehelichen.  So blieb es nicht aus, dass wir eines Tages die angehenden Schwiegereltern kennen lernen sollten und man lud uns zum Kaffee ein. Nach einstündiger Fahrt wurden wir schon freudig von Susanne begrüßt, die uns stolz die ganze Familie im Wohnzimmer präsentierte. Dort saßen sie nun stocksteif auf der Couch und schauten uns erwartungsvoll an: Schwiegermutter, Schwiegervater und Schwiegeroma in 'spe, sowie der angehenden Schwiegersohn nicht zu vergessen. Es gab Kaffee und Kuchen und man unterhielt sich höflich und nett. Die Schwiegereltern waren einfache Leutchen, während Oma sich einen vornehmen Touch gab. Da an meiner Seite ein Lehrer saß, wurde jedes Wort von der anderen Seite mit Bedacht gewählt und gründlich überlegt um einen guten Eindruck zu machen, das war jedenfalls mein Gefühl. Dies sind dann die Situationen, die mich reizen und da meine Hirnwindungen dann scheinbar mit Blut unterversorgt sind, plapper ich mal los. Um die Stimmung etwas aufzulockern kam ich mit der Kaffeekanne aus der Küche und frage:" Will noch irgendein Schwein - ja ihr lest richtig- Kaffee trinken?" Betretenes Schweigen folgte und ich konnte den ungläubigen Mienen ansehen, dass einem dieser Lehrer doch leid tun konnte, mit solch einer Person wie mir gestraft zu sein. Besagter nahm es eher humorvoll.

Diese Vorgeschichte muss man kennen, wenn ich nun die Geschichte der eigentlichen Hochzeit erzähle:

Schwiegermutter und Schwiegervater hatten mir -glaube ich- verziehen, jedenfalls verhielten sie sich wieder normal. Nur Schwiegeroma schmollte noch ein wenig. Ich hatte mir vorgenommen, mich wirklich untadelig zu benehmen und mich durch nichts reizen zu lassen. Der Anfang klappte noch gut, der Kirchgang, die Geschenke, das Mittagessen (mir ist auch keine Erbse vom Teller gehüpft) alles war harmonisch und nett. Dann kam der Kaffee und mein Vorsatz wurde auf eine harte Bewährungsprobe gestellt, da dort eine Dumpfbacke neonazistische Ansichten zum Besten gab und ich mich hartnäckig zwingen musste, möglichst immer was in meinen Mund zu stopfen, damit ich nicht reagierte und nachher noch ausfallend geworden wäre. Außerdem hatte ich schon genug damit zu tun meinen iSP zurückzuhalten, da er soviel Unsinn auch nicht so ohne weiteres ertragen konnte, und seine Bemerkungen auch immer unmissverständlicher wurden. Wir schafften auch den Kaffee halbwegs störungsfrei. Ich atmete auf, nun konnte schließlich nicht mehr viel passieren. Ich unterhielt mich adrett mit Oma, die langsam etwas zutraulicher wurde. Sie taute sogar so weit auf, dass sie mir ihre Wohnung zeigte. Kurzum, der Rest des Tages verlief harmonisch und ruhig. Dann kam die Zeit des Aufbruchs, ich freute mich schon, bald das  gesellschaftliche Korsett abstreifen zu können (ich hasse Familienfeste!!!!). Wir bedankten uns artig und ich wollte unseren Gastgebern noch eine große Freude machen und mich für das gut organisierten Fest bedanken und so suchte ich noch nach dem Superlativ für "gemütlich". 

Sehr gemütlich war mir natürlich nicht genug, weshalb mir dann spontan herausfuhr: "Und vielen Dank für den saugemütlichen Tag," im selben Augenblick klatschte ich mir mit der Hand auf den Mund und fuhr fort: "Ach Scheiße nun war das Schwein doch schon wieder dabei". 

Oma erstarrte zur Salzsäule, und ich guckte, dass wir schnell Land gewannen. Das hatte ich doch schon wieder gut hingekriegt. Im Auto sagte mein iSP dann schmunzelnd zu mir: "Jeder blamiert sich so gut er kann." 

Ich suche mir jetzt nur noch die Feste aus, zu denen ich gehe.