Die "Alten" proben den Aufstand

oder "Es weihnachtet sehr .................... "

Ich war mal wieder mit dem Auto unterwegs und hörte im Radio folgenden Beitrag:

Da hatten die Bewohner in einem Seniorenstift einen 86jährigen Herrn zu ihrem Interessenvertreter gekürt.

Nun fragt man sich, wieso brauchen denn die alten Leutchen jemanden, der in ihrem Namen spricht? Die Ursache dafür war etwas skurril, denn es nahte mal wieder die Weihnachtszeit. 

Wie in jedem Jahr, konnten die armen Alten sich in der Adventszeit vor Besuchern und Besuchergruppen nicht retten.

Schulkinder und Männergesangsvereine kamen um den alten Leutchen eine Freude zu machen.

Nur in diesem Jahr hatte dieser energische Altensprecher "Nein":

  1. zu den am frühen Morgen einfallenden Kindern einer Gesamtschule gesagt. Die, nach seinen Worten, mit ihren falschen Flötentönen -falls einem der Bissen noch nicht im Halse stecken geblieben sei- jedem den Frühstücksbissen im Munde vergällen würden. So treu nach dem Motto, den Alten kann man`s schon zumuten, die sind ja eh alle taub.

  1. zu den Bläsern der St.Hubertuskapelle gesagt, die dann nachmittags, in der Zeit, in der man sich endlich gemütlich eine Serie im Fernsehen angucken wolle, worauf man sich schon den ganzen Tag gefreut habe,  an Land kamen und tröteten "Die Sau ist tot", nicht schön aber dafür laut.

Er begründete es damit, dass sich die Bewohner das nicht mehr gefallen lassen, denn sie wollten kein Aushängeschild für irgendwelche gutgemeinten, gefühlsdusseligen Anwandlungen sein. Auch hätten sie keine Lust mehr, in den lokalen Zeitungen hervorgekramt zu werden, so rein nach dem Motto: "Wir wollen auch an die Alten und Kranken denken und nicht nur dem Konsumzwang erliegen." Der alte Herr war so rigoros, dass er selbst Geschichtenerzählern und Gedichtsvorstellungen den Zutritt verwehrte. Nein, dieses Jahr wolle er nun mal seine Ruhe haben, was nächstes Jahr wäre, das wüsste man noch nicht.

Ich fand diese Geschichte so herrlich, dass ich bei der Vorstellung, wie die armen Alten nun plötzlich den Aufstand übten, heftig schmunzeln musste. Aber Recht hatten sie doch eigentlich?

Das ganze Jahr wurden sie vergessen und zu Weihnachten, da erinnert man sich plötzlich ihrer wieder.

Vielleicht sollten wir daraus lernen, dass jeder Monat ein wenig Weihnachten für die "Alten" sein sollte, denn wer weiß schon, wie lange sie noch bleiben?

Ein wenig Zeit um Zuzuhören, ein paar liebe Worte zur Aufmunterung, sie kosten so wenig und bringen so viel!